Liebe Grafschafterinnen und Grafschafter,
die folgenden Fragen haben mich über Facebook erreicht. Dafür bin ich dankbar, denn es gibt mir die Gelegenheit,
meine Motivation für die Kandidatur und meine Schwerpunkte als Landrätin vorzustellen.
FRAGEN VON WÄHLERINNEN UND WÄHLERN
Frau Terhorst,
zunächst möchte ich sagen, dass ich es grundsätzlich sehr begrüße, wenn Frauen Verantwortung übernehmen und für politische Ämter kandidieren. Ich finde es toll, dass in diesem Jahr gleich zwei Frauen antreten. Gleichzeitig kommen Sie ja nicht gebürtig aus Nordhorn beziehungsweise aus dem Landkreis, was Ihre Kandidatur für mich besonders interessant macht.
Was hat Sie persönlich motiviert, für den Landkreis anzutreten, obwohl Sie nicht von hier stammen?
Wie möchten Sie sich am besten mit den Themen vor Ort vertraut machen und sicherstellen, dass Sie die Anliegen der Menschen hier wirklich verstehen?
Welche Themen liegen Ihnen persönlich am meisten am Herzen, und warum?
Welche drei Werte sind für Sie im Leben und in der Politik am wichtigsten?
Woran messen Sie sich selbst, wenn Sie Entscheidungen treffen? Gibt es Werte oder Grundsätze, an denen Sie Ihr eigenes Handeln bewusst ausrichten?
Für mich persönlich gehören Ehrlichkeit, Loyalität und Verantwortungsbewusstsein zu den wichtigsten Werten. Sie helfen mir dabei, Entscheidungen zu treffen und mein eigenes Handeln immer wieder zu hinterfragen. Mich würde interessieren, welche Werte für Sie dabei die größte Rolle spielen.
Welche Eigenschaften wünschen Sie sich von Menschen, mit denen Sie zusammenarbeiten?
Wie wichtig ist Ihnen Transparenz gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, gerade dann, wenn Entscheidungen schwierig oder unpopulär sind?
Social Media spielt im heutigen Wahlkampf eine große Rolle. Haben Sie bereits vor Ihrer Kandidatur aktiv soziale Medien genutzt, oder haben Sie sich erst im Rahmen des Wahlkampfs intensiver damit beschäftigt? Welche Chancen, aber auch welche Risiken sehen Sie darin?
Sehen Sie es eher als Vorteil oder als mögliche Herausforderung, dass Sie von außerhalb kommen?
Und abschließend: Was glauben Sie, sind die wichtigsten Voraussetzungen, um das Amt der Landrätin erfolgreich auszuüben? Ist es vor allem wichtig, Verwaltungserfahrung zu haben, oder spielen auch andere Fähigkeiten wie Kommunikation und Präsenz, zum Beispiel in sozialen Medien, eine entscheidende Rolle?
Ich freue mich über offene und ehrliche Antworten, denn am Ende wählen wir nicht nur Programme, sondern vor allem Menschen und die Werte, nach denen sie handeln.
Meine Antworten
Hier meine offenen und ehrlichen Antworten:
Warum Grafschaft Bentheim, obwohl ich nicht von hier stamme?
Ich bin in Niederlangen im Emsland aufgewachsen und lebe heute in Papenburg. Wenn ich in die Grafschaft fahre, bin ich gefühlt in meiner Region. Denn: Heimat entsteht nicht nur durch Geburt, sondern durch gelebte Verbundenheit. Ich kenne die Mentalität, die Grenzregion und die Stärken. Und ich bringe etwas mit, das ich für wertvoll halte: Den frischen Blick von außen, der vergleichen kann, ohne die Bodenhaftung zu verlieren.
Wie mache ich mich mit den Themen vertraut?
Das tue ich gerade jeden Tag – durch Gespräche, Besuche, Veranstaltungen quer durch den Landkreis. Ich höre zu. Das ist kein Wahlkampfversprechen, sondern mein Arbeitsstil: Erst zuhören und verstehen, dann handeln. „Verlässlich. Klar. Vor Ort.“ – das meine ich wörtlich.
Welche Themen liegen mir besonders am Herzen?
Drei Dinge treiben mich an:
Erstens eine dienstleistende schlanke Verwaltung – mit echter Kundenperspektive. Der Landkreis ist kein Selbstzweck, sondern Dienstleister für Menschen und Unternehmen. Genehmigungen, Anträge, Förderungen – das muss einfach, schnell und verlässlich funktionieren.
Zweitens den Mittelstand stärken, dazu gehört für mich auch die Landwirtschaft. Ich bin mit landwirtschaftlichen Wurzeln aufgewachsen und weiß, was es bedeutet, wenn Betriebe und Höfe unter Druck geraten.
Drittens die Zusammenarbeit mit den Niederlanden. Die Reaktivierung der Bentheimer Eisenbahn, grenzüberschreitende Wirtschaftsbeziehungen und gemeinsame Infrastruktur: Ich stehe für eine Grafschaft mitten in Europa.
Und die Euregio-Klinik Nordhorn fest im Blick – sie ist für die Menschen das Rückgrat der Gesundheitsversorgung in der Region und braucht eine Landrätin, die auf Landes- und Bundesebene agieren kann.
Und bei allem gilt für mich ein Grundprinzip: Subsidiarität. Was Menschen, Familien, Betriebe oder Gemeinden selbst regeln können, sollen sie selbst regeln. Der Landkreis ist nicht dazu da, alles zu steuern – sondern dazu da, Rahmenbedingungen zu setzen, damit vor Ort Lösungen entstehen können. Das ist für mich keine Verwaltungsphilosophie, sondern eine Haltung.
Meine drei wichtigsten Werte?
Verlässlichkeit, Klarheit und Verantwortungsbewusstsein. Das sind Werte, die ich mit vielen Menschen teile – und das freut mich. Denn Politik besteht nicht nur aus Programmen, sondern aus dem, was man tut, wenn es schwierig wird.
Woran messe ich mein eigenes Handeln?
Ich habe in Führungspositionen in der Landesverwaltung und im Finanzministerium und zuletzt als Finanzdirektorin im Bistum Hildesheim gearbeitet. Ich habe gelernt, dass Verantwortung nicht endet, sondern bleibt. Mein eigenes Handeln messe ich dabei an der Frage: Hätte ich das auch so entschieden, wenn es niemand sehen würde?
Was wünsche ich mir von Menschen, mit denen ich zusammenarbeite?
Neugier, Geradlinigkeit und den Mut, auch unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Loyalität ja – aber nie auf Kosten der Aufrichtigkeit. Ich arbeite lieber mit jemandem, der mir widerspricht und Recht hat, als mit jemandem, der mir immer zustimmt.
Transparenz bei schwierigen Entscheidungen?
Gerade dann, wenn etwas nicht leicht zu erklären ist, müssen wir es erklären. Menschen verzeihen schwierige Entscheidungen – was sie nicht verzeihen, ist das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Deshalb ist Transparenz für mich essenziell.
Social Media – war das schon vorher mein Ding?
Ehrlich gesagt: Ich hatte keine Social-Media-Kompetenz, bevor ich kandidiert habe. Aber ich schätze inzwischen, was es kann: Menschen direkt erreichen, ohne Filter. Das Risiko kenne ich auch – ein unbedachter Post bleibt. Deshalb: echt sein, aber nicht unüberlegt. Für mich gehören Social Media und meine Homepage zusammen – das eine erklärt, das andere zeigt. Beides zusammen ergibt ein Bild – von mir, meinem Stil und meinen Überzeugungen.
Vorteil oder Herausforderung – von außerhalb zu kommen?
Beides – und ich nehme beides an. Der Vorteil: Ich habe keine eingefahrenen lokalen Seilschaften, die mich binden. Ich schaue auf manche Dinge mit frischen Augen. Die Herausforderung: Ich muss mir Vertrauen erarbeiten. Das respektiere ich. Und ich bin bereit dazu.
Was braucht man, um Landrätin erfolgreich zu sein?
Kompetenz – mehrjährige und vielfältige Führungskompetenz und Fachkompetenz. Damit meine ich auch Verwaltungserfahrung: zu wissen, wie Behörden ticken, wie Behördenstrukturen funktionieren und wo die Hebel sind. Das bringe ich mit. Und damit meine ich auch die Fähigkeit, komplexe Dinge klar zu kommunizieren, Menschen zusammenzubringen und auch in unruhigen Zeiten einen ruhigen Kopf zu behalten.
Und ein starkes Netzwerk – denn Landrätin ist kein Soloamt, im Gegenteil. Mein Netzwerk reicht von der Region bis in die Bundesebene und ins Europaparlament.
Mit herzlichen Grüßen
Anja Terhorst
